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Wie Berlin die Coronakrise meistert

Als Europa Mitte März zum neuen Epizentrum der Corona-Pandemie wurde, zählte Deutschland als eines der bevölkerungsreichsten Länder nicht zu den am schwersten betroffenen. Am 20. September 2020 verzeichnete das Robert Koch-Institut 271.415 Covid-19-Fälle in Deutschland, 13.108 davon in Berlin. Inzwischen sind deutschlandweit 240.700 Patienten genesen, in Berlin gibt es ca. 1.384 aktive Fälle (www.rki.de).

Betrachtet man die kumulierten Fälle pro 100.000 Einwohner, so sind Bayern mit 494 gemeldeten Erkrankungen und Baden-Württemberg mit 424 Erkrankungen am stärksten betroffen. In der deutschen Hauptstadt, die eine der höchsten Bevölkerungsdichten aufweist, waren nur 349 Fälle auf 100.000 Einwohner gemeldet. Woran liegt es, dass der Verlauf in Deutschland und Berlin noch vergleichsweise glimpflich war und auch die Todesfälle relativ niedrig sind (www.statista.com)?

Ein bundesweites Krisenteam wird aufgesetzt

Im Januar 2020 setzte die deutsche Bundesregierung ein Corona-Krisenteam zusammen, das sich seitdem regelmäßig trifft. Die dort getroffenen Entscheidungen basieren auf einer engen Zusammenarbeit und Austausch mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen. Im März 2020 wurden mehrere Lockdown-Maßnahmen vereinbart, wie z.B. die Schließung des Einzelhandels (ausgenommen der Supermärkte), der Restaurants, der Schulen, das Verbot von Großveranstaltungen und die Auflage, auf soziale Distanz zu gehen, um die Zahl der Neuinfektionen zu vermindern. Im gleichen Zeitraum wurden die Kapazitäten in den Krankenhäusern und Intensivstationen erhöht, indem planbare Eingriffe verschoben wurden, eine umfängliche Test- und Nachverfolgungsstrategie über die lokalen Gesundheitsbehörden wurde eingeführt. Unter der Leitung der Berliner Charité und mit finanzieller Unterstützung des Bundesforschungsministeriums wurde ein Netzwerk aller 37 deutschen Universitätskliniken etabliert. Ziel ist, sich zur bestmöglichen Behandlung der neuartigen Covid-19-Erkrankung auszutauschen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Der international anerkannte Virologe der Charité Prof. Dr. Christian Drosten ist mit seinen bedächtigen Ratschlägen inzwischen zum deutschen Gesicht der Corona-Krise geworden.

Eine langsame und vorsichtige Öffnung

Nachdem sich die Infektionskurve in den Folgewochen abflachte, konnten einige der bundesweit geltenden Einschränkungen langsam gelockert werden. Im April und Mai 2020 wurden die Schulen, der Einzelhandel, Gastronomie, Hotels und Museen unter Auflage strikter Hygienekonzepte wieder geöffnet. Folgende Auflagen zur sozialen Distanzierung sind weiterhin zu beachten: Die Menschen sollen einen Mindestabstand von 1.5 m zueinander halten. Im Öffentlichen Nahverkehr und beim Betreten von Läden ist die Bevölkerung angehalten, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Viele Theater haben zum 1. August geöffnet, Berliner Clubs und Diskotheken sind noch geschlossen. Inzwischen können sich symptomfreie Reisende an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, sowie am Hauptbahnhof und Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) auf Covid-19 testen lassen. Seit dem 8. August sind die Tests für Reisende aus Risikogebieten verpflichtend (vgl. die Auflistung des RKI).

 

Berlin Corona Ampel
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Das Berliner Ampel-System basierend auf drei Indikatoren

Mit den Lockerungen beobachten die lokalen Behörden sehr genau das weitere Infektionsgeschehen. Der Berliner Gesundheitssenat hat hierfür ein Ampelsystem entwickelt, das auf drei Indikatoren beruht, um den Pandemieverlauf laufend zu überprüfen und umgehend notwendige Entscheidungen diskutieren und treffen zu können. Die Reproduktionsrate (die Zahl der Menschen, die sich an einem Infizierten anstecken) sollte dabei nicht über 1,2 steigen, die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 7 Tage sollte unter 30 bleiben und die Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Erkrankten sollte unter 25% liegen. Hinsichtlich der Reproduktionsrate ist zu beachten, dass je geringer die Fallzahlen werden, desto schwankungsanfälliger kann diese sein. Die Zahlen werden laufend veröffentlicht und befinden sich aktuell im beschriebenen Limit.

Quelle: https://www.berlin.de/sen/gpg/ & https://www.berlin.de/corona/fallstatistik/

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