Die Ergebnisse des Foresight- und Innovationsprojekts

Ein gemeinsames Leitbild für die Zukunft der Berliner Visitor Economy

Einordnung: Warum dieser Prozess?

Berlin, Februar 2026 Die Berliner Visitor Economy steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Klimakrise, technologische Entwicklungen, gesellschaftlicher Wandel und neue Erwartungen an Städte und Reisen erhöhen die Komplexität und Unsicherheit. In solchen Zeiten reicht es nicht aus, auf einzelne Trends zu reagieren oder kurzfristige Lösungen zu entwickeln.

Mit dem Foresight- und Innovationsprojekt hat visitBerlin gemeinsam mit der Berliner Tourismus- und Veranstaltungsbranche bewusst einen Schritt nach vorn gemacht: weg von kurzfristigen Prognosen hin zur systematischen Auseinandersetzung mit möglichen und wünschenswerten Zukünften und der Frage, wie Berlin heute die Voraussetzungen schaffen kann, um auch morgen handlungsfähig zu bleiben.

Strategische Vorausschau dient dabei nicht der Vorhersage, sondern der Orientierung. Sie eröffnet Möglichkeitsräume, hilft, Annahmen zu hinterfragen, und schafft eine gemeinsame Grundlage für langfristige Entscheidungen in einer sich wandelnden Stadt.

 

Was ist entstanden? Die Ergebnisse auf einen Blick

Im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten, partizipativen Prozesses sind folgende Ergebnisse entstanden:

  • vier realistisch-optimistische Zukunftsszenarien für die Berliner Visitor Economy
  • ein übergreifendes Leitbild als gemeinsamer Orientierungsrahmen
  • fünf Innovationsfelder, die zentrale Hebel für zukünftige Entwicklung markieren
  • erste Impulse für mögliche strategische Ansatzpunkte und Kooperationen

Diese Ergebnisse ersetzen keine bestehenden Strategien und sind kein Maßnahmenkatalog. Sie bieten vielmehr eine gemeinsame Denk- und Arbeitsgrundlage, die Akteur:innen der Berliner Visitor Economy nutzen können, um ihre eigenen Entscheidungen, Projekte und Prioritäten zukunftsrobust auszurichten.

 

Das Leitbild: Die Sentient City – eine wahrnehmende, lernende Stadt

Im Zentrum der Projektergebnisse steht das Leitbild der Sentient City – der wahrnehmenden, lernenden und menschenzentrierten Stadt. Es beschreibt ein Zukunftsbild, in dem Technologie nicht um ihrer selbst willen eingesetzt wird, sondern um das menschliche Erleben bewusst zu stärken. Digitale, soziale und räumliche Infrastrukturen arbeiten dabei wie ein lernendes System zusammen, das auf Bedürfnisse von Bewohner:innen und Besucher:innen reagiert. So entsteht ein Zusammenspiel von Mensch, Technologie und Tourismus, das nicht nur effizient ist, sondern Atmosphäre, Begegnung und Vielfalt in den Mittelpunkt stellt.

Eine Sentient City richtet den Blick auf Situationen statt auf Systeme - auf Kontexte, Bedürfnisse und Wechselwirkungen zwischen Menschen, Stadträumen und Angeboten. Sie fragt nicht primär, wie Städte gesteuert werden können, sondern wie sie lebendig bleiben – als Orte der Begegnung, Orientierung und Teilhabe.

Technologie spielt dabei eine unterstützende Rolle. Sie hilft, Situationen einzuordnen, Angebote kontextsensibel weiterzuentwickeln und Erlebnisse für Gäste wie Berliner:innen am Wohlbefinden der Menschen auszurichten. Ziel ist es, Lebensqualität und ein respektvolles Miteinander in einer vielfältigen, dynamischen Stadt zu stärken.

Konkret lässt sich die Sentient City als ein Zusammenspiel vieler kleiner, situationsbezogener Anpassungen denken. Stadträume, Angebote und Informationen reagieren sensibel auf unterschiedliche Nutzungen, Tageszeiten oder Bedürfnisse. Orientierung entsteht dort, wo sie gebraucht wird. Begegnung wird dort möglich, wo sie erwünscht ist. Unterschiedliche Formen von Aufenthalt, Nutzung und Miteinander können so bewusst zusammengedacht werden. Für die Akteur:innen der Berliner Visitor Economy bedeutet die Sentient City, ihr Handeln stärker aus der Perspektive von Situationen, Kontexten und Wechselwirkungen zu betrachten. Sie lädt dazu ein, Angebote, Services und Erlebnisse bewusster im Zusammenspiel von Ort, Zeitpunkt, Nutzung und Stadtleben zu reflektieren.

Das Leitbild der Sentient City ist bewusst offen formuliert. Es ist kein fertiges Konzept, sondern ein gemeinsamer Orientierungsrahmen, der Weiterentwicklung ermöglicht und unterschiedliche Wege zulässt.

 

Vier Zukunftsszenarien: Denk- und Reflexionsräume

Um den Möglichkeitsraum zukünftiger Entwicklungen sichtbar zu machen, wurden vier explorative Szenarien entwickelt. Sie beschreiben unterschiedliche, in sich schlüssige Zukunftsbilder der Berliner Visitor Economy, geprägt durch verschiedene Ausprägungen, u.a. von Technologieeinsatz, gesellschaftlichem Wandel, Governance und urbanem Zusammenleben.

Die Szenarien sind keine Prognosen. Sie dienen als Denk- und Reflexionsräume, um eigene Annahmen zu hinterfragen, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen auf ihre Zukunftstauglichkeit zu prüfen.

 

Fünf Innovationsfelder: Wo gemeinsames Weiterdenken beginnt

Aus den Szenarien wurden fünf Innovationsfelder abgeleitet. Sie markieren zentrale Handlungs- und Gestaltungsräume für die Weiterentwicklung der Berliner Visitor Economy und haben eines gemeinsam: den Fokus auf Menschen, Zusammenarbeit und Lernfähigkeit.

  • Vernetzte Wertschöpfung durch intelligente Zusammenarbeit
  • Lernende Systeme mit branchenübergreifender Kompetenzentwicklung
  • Empathische Erlebnisgestaltung zwischen digitalen und analogen Welten
  • Reagierende Erlebnisräume für zwischenmenschliche Begegnungen
  • Partizipative Governance mit ethischen Transparenzstandards

Die Innovationsfelder dienen als Orientierungs- und Denkrahmen. Sie zeigen auf, wo aus heutiger Sicht zentrale Hebel für Veränderung liegen, und bilden zugleich eine Grundlage, auf der gemeinsam erste Ansatzpunkte und mögliche Schlüsselprojekte weitergedacht werden können.

 

Ein gemeinsamer Weg: Wie es weitergeht

Die Ergebnisse des Foresight- und Innovationsprojekts verstehen sich als Einladung an Betriebe, Verbände, Netzwerke, Verwaltung und weitere Akteur:innen der Berliner Visitor Economy, die entwickelten Perspektiven aufzugreifen und weiterzudenken.

visitBerlin wird die Ergebnisse sichtbar machen, Wissen teilen und Räume für Austausch bieten – etwa über die Plattform Visitor Insight, den TourismusHub und weitere Dialogformate. Die konkrete Weiterentwicklung der Innovationsfelder liegt bewusst in der Breite der Branche. Zukunft entsteht nicht zentral, sondern gemeinsam.

Die Sentient City ist damit kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt für Gespräche, für neue Kooperationen und für eine bewusste, menschenzentrierte Gestaltung der Zukunft der Berliner Visitor Economy.

 

Hintergrund zum Projekt

Der Foresight- und Innovationsprozess wurde von visitBerlin initiiert und von den Agenturen 4strat (Dr. Birthe Menke) und dwif (Elena Schmidt, Maike Berndt) konzipiert, organisiert und umgesetzt. Zentrale Arbeitsstruktur des Projekts war der Think Tank Zukunft, in dem Vertreter:innen der Berliner Tourismus- und Veranstaltungsbranche kontinuierlich zusammenarbeiteten, um relevante Entwicklungen zu reflektieren, Zukunftsszenarien zu erarbeiten und Innovationsfelder abzuleiten. Mitglieder des Think Tanks sind neben visitBerlin Vertreter:innen des Berlin Event Networks, der DEHOGA BerlinINTOURA, visitBerlin Partnerhotels e.V., der Clubcommission Berlin und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, durch die das Projekt gefördert wurde.

Ergänzend brachten sich zahlreiche weitere Akteur:innen der Branche im Rahmen von drei Stakeholder-Workshops aktiv in den Prozess ein und erarbeiteten wichtige Inhalte, die unmittelbar in den weiteren Projektverlauf einflossen. In den finalen Projektphasen wurde der Prozess zusätzlich durch Prof. Dr. Eric Horster als Innovationsexperten begleitet. 

Ihr Kontakt

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