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Launch der neuen App ABOUT BERLIN

Erste App-Lesung der Welt - Berlins Geschichte neu erzählt

App-Lesung
© visitBerlin, Foto: Uwe Steinert

Zum Launch unserer neuen Berlin-App haben wir Interessierte des Internationalen Literaturfestivals, Macher der App und Leser der Berliner Zeitung zu der wohl ersten App-Lesung der Welt, zumindest Berlins in den Admiralspalast eingeladen. Kurze Geschichten lasen die Schauspieler Inka Friedrich („Sommer vorm Balkon“) und Stefan Kaminski (Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises) aus der App - Episoden zu historischen Ereignissen und Orten, die Berlin als Stadt der Freiheit und Unfreiheit besonders präg(t)en. Es moderierte Marion Brasch (radioeins). Die Musikerin und Komponistin Beatrix Becker hat musikalisch durch den Abend geführt und Brücken zwischen den Zeiten geschlagen. Die App-Lesung am 14. September 2018 im Admiralspalast fand bei rund 150 Gästen großen Anklang.

Klicken Sie sich hier durch die Bilder des Abends.

Zum Auftakt ein Special in der Berliner Zeitung

Berliner Zeitung vom 14. September 2018
© Berliner Zeitung

Die Berliner Zeitung gab zum Launch der App „About Berlin“ ein Special heraus, das sich auf den Seiten 1 bis 3 dem Thema „Berlin, Stadt der Freiheit“ und der neuen App mit dem Pfad der Freiheit widmete. In einem Interview mit den Köpfen der App - visitBerlins Kulturbeauftragter Sönke Schneidewind und Hanno Hochmuth, Historiker am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam - ging es um die Idee der App. Vorgestellt wurden darüber hinaus 15 besondere Orte und die Geschichten dahinter.

Auch online kann man sich auf Spurensuche begeben: story.berliner-zeitung.de/der-pfad-der-freiheit-intro/

Lesen Sie hier den Artikel von Burkhard Kieker, Geschäftsführer visitBerlins:

Berliner Zeitung
© Berliner Zeitung

Artikel Burkhard Kieker

Burkhard Kieker
© visitBerlin, Foto: Thomas Kierok

Im Expressaufzug
Berlin findet zu seiner Identität. Doch die ist stets gefährdet

von Burkhard Kieker (erschienen in der Berliner Zeitung vom 14. September 2018)

Wie wurde Berlin eigentlich das, was es heute ist, wofür es heute steht? Berlin - der aus allen Nähten platzende Sehnsuchtsort für junge, gut ausgebildete Menschen, für bildende Künstler, Musiker, Experimentierköche, Wissenschaftler  oder einfach auch nur Familien aus Baden-Württemberg oder Tel Aviv, die glauben, gerade hier ihren sehr persönlichen Lebensentwurf verwirklichen zu können. Dazu der Magnetismus auf Besucher, Touristen, von denen viele nicht mehr nur die ersten Seiten des Reiseführers abarbeiten, sondern eintauchen wollen in das, was ihnen  andere über die besondere Atmosphäre, die Kultur und die Nächte dieser Stadt erzählt haben. Die Haltung: teilhabender Kurzzeit-Berliner. Das Ganze ist ein täglich neu anreisendes Riesenkompliment an die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner.

Mit dieser Fahrt im Expressaufzug in die Spitze der beliebtesten Metropolen Europas hatte hier niemand gerechnet. Im Krieg in Grund und Boden gebombt, die Vergangenheit diskreditiert, Teile der intellektuellen Elite ermordet oder emigriert und die Trümmer durch eine Mauer geteilt, dazu beide Hälften gefangen in der Systemkonfrontation – mehr Disruption scheint für eine Stadt kaum vorstellbar. Jahrzehntelang war Berlin von der Destinationslandkarte dieser Welt verschwunden und touristisch kaum existent.

Vermutlich ist genau in dieser maximalen Disruption die Grundlage für die Anziehungskraft zu suchen. Die Freiheit des Mauerfalls ließ Metropolenträume nicht gleich reifen. Und doch bot die sich nach dem Mauerfall neu sortierende  Stadt, ihre Brachen, ihre Industrie- und Kaufhausruinen kreativen und unkonventionellen Menschen einen Ozean der Möglichkeiten. Ein bis heute hochtourig drehender Kulturhub von unglaublicher Vielfalt entstand. Allein der Veranstaltungskalender von visitBerlin  weist im Vorlauf mehr als 2.500 Veranstaltungen aus – eine Art permanente kulturelle Überwältigung. Unsere Besucher lieben genau dies, und wahrscheinlich ist genau das die Aufgabe einer Hauptstadt. Mit  den global verbreiteten Bildern des Mauerfalls haben die mutigen Ost-Berliner das Bild unserer Stadt quasi über Nacht gewendet: Vom Täterort der Nazizeit und der sich anschließenden kommunistischen Unterdrückungsdiktatur hin zu einer Stadt mit unbedingtem Freiheitswillen, der sich friedlich und ohne Blutvergiessen durchsetzt.

Die Zukunft erkunden durch das Wissen um die Geschichte, das ist der Antrieb unserer App. Unsere Gäste können so Berlin als authentischen Ort der Geschichte, als Ort der Geschichte des 20. Jahrhunderts außerhalb der großen touristischen „Ameisenpfade“ höchst individuell erkunden.

Burkhard Kieker, Geschäftsführer von visitBerlin

Berlin als Stadt der Freiheit - erst politisch erkämpft, aber dann erweitert um die Chance, hier neue Lebensentwürfe probieren zu dürfen, das hat sich als Kern unserer Identität erwiesen. Toleranz ist das Rezept, das wir hüten und verteidigen müssen. „Jeder nach seiner Facon“, hat mal ein ziemlich bekannter Berliner gesagt.  Die kritische Masse an interessanten Menschen, die schnell ihre Umgebung mit Cafés, Restaurants, Galerien und Läden prägen, sorgen für eine spezielle Atmosphäre, ein Lebensgefühl, das wiederum neue Menschen anzieht, die genau dies erleben möchten - ein wunderbares, aber auch verletzliches Perpetuum Mobile.

Der wirtschaftliche Erfolg Berlins der letzten Jahre, vom Rest der Republik eher ungläubig zur Kenntnis genommen, beruht genau auf diesem unsichtbaren Magnetismus, der  gute Köpfe in die Stadt zieht. Viele kommen erst als Kulturtouristen, als Clubgänger, um dann als Teil der großen Comeback-Story Berlin zu bleiben.

Kein Wunder, dass bei soviel „Wohin“ und Aufbruch auch die Frage nach dem „Woher“   interessiert. Nirgendwo lässt sich die harte Geschichte des 20. Jahrhunderts und ihre Folgen so intensiv erfahren wie in Berlin. „There is history under every stone you turn“, schrieb vor einiger Zeit die New York Times.

Genau hier will die App „About Berlin“ mit ihren Texten und Touren wie dem „Pfad der Freiheit“ das Bedürfnis nach tieferem Verständnis dessen, was Berlin historisch bis heute prägt. Die Zukunft erkunden durch das Wissen um die Geschichte, das ist unser Antrieb. Unsere Gäste können so Berlin als authentischen Ort der Geschichte, als Ort der Geschichte des 20. Jahrhunderts außerhalb der großen touristischen „Ameisenpfade“ höchst individuell erkunden.

Lässt sich der wunderbare Geist der Stadt erhalten? Die Stadt und ihre Schwingungen lassen sich nicht wie ein Fisch im Deko-Eisblock auf dem Büffet einfrieren. Und dennoch gibt es seismographische Messpunkte, die uns sagen, ob der Charakter der Stadt, der einst eine Reichstagsverhüllung von Christo möglich machte, gefährdet ist. DAU, das künstlerische Großprojekt des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky, ist so ein Punkt. Am Gelingen der Genehmigung des Projektes samt Mauerkulisse am Kronprinzenpalais wird sich zeigen, ob die Stadt noch zum Besonderen fähig ist, ob Berlin sein Versprechen als Stadt auch der künstlerischen Freiheit  halten kann. Die Alternative wäre ein Scheitern im Gestrüpp bürokratischer Anforderungen. Wir sollten uns das nicht leisten.

 

Impressionen & weitere Informationen

Weitere Informationen in der Pressemitteilung und auf visitBerlin.de/about-berlin.

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