Reiseerlebnis barrierefreies Berlin
Die Hauptstadt als touristische Destination für alle gestalten
- visitBerlins Website für einen barrierefreien Berlin-Besuch: visitBerlin.de/de/barrierefrei-berlin

Eine Reise beginnt mit Vorfreude und endet meist mit einer Bewertung. Im besten Fall mit einer Empfehlung. Dazwischen nehmen Gäste Dienstleistungen und Infrastrukturen in Anspruch, die wie die Glieder einer Kette ineinandergreifen sollten. Fehlt eines davon, steht eine Reise besonders für Menschen mit Behinderung, aber auch für ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern auf dem Prüfstand. Diese Servicekette will Berlin schließen, um eine Reise nach Berlin möglichst komfortabel zu gestalten – von der Reiseinformation über die Buchung, die An- und Abreise, die Übernachtung, die Betreuung, die Serviceleistung, das gastronomische Angebot bis hin zu Kultur- und Freizeitaktivitäten. Dies ist eine Herkulesaufgabe, der visitBerlin und seine Partner sich stellen und bei der sie bereits viel erreicht haben:
Erfolg für die ganze Stadt

Frei und unabhängig durch Berlin: Barrierefreiheit ist eine Zukunftsaufgabe des Tourismus in der Hauptstadt – sie zu fördern, ist deshalb auch ein wichtiges Anliegen von visitBerlin. Denn in Deutschland leben zehn Millionen Menschen mit einer Behinderung und einem besonderen Servicebedarf. All diese Menschen haben das Recht, ohne Barrieren reisen zu können. Ob Rollstuhlfahrer:innen, blinde und sehbehinderte Gäste, kognitiv beeinträchtige oder gehörlose und hörgeschädigte Menschen: visitBerlin stellt auf seinen Websites verlässliche Informationen über barrierefreie Angebote und Services gebündelt zusammen. Auch Standards zur Barrierefreiheit hat visitBerlin entwickelt, die möglichst vielen Menschen gerecht werden. Und als Partner von „Reisen für Alle“ prüft die Tourismusorganisation Berliner Hotels und Attraktionen auf ihre Barrierefreiheit.
Schulung touristischer Leistungsträger
visitBerlin stellt auf der Wissensplattform „TourismusHub“ Online-Veranstaltungen und eLearning-Journeys bereit, um die touristischen Leistungsträger Berlins für die diversen Themen der Barrierefreiheit zu sensibilisieren und ihnen den Einstieg in das Thema zu erleichtern. Eine kostenlose Anmeldung ist jederzeit möglich.

Unternehmensinterne Maßnahmen
Das Schulungsprogramm zu diversen Themen der Barrierefreiheit für die eigenen Mitarbeitenden setzt visitBerlin auch weiterhin fort. Dazu gehören Schulungen zur Bildsprache und Kommunikation, zu analogen Veranstaltungen und Leichter Sprache sowie zur Gebärdensprache und zum barrierefreien Recruiting. Das in den Fortbildungen vermittelte Know-how hilft dabei, die Websites und Apps von visitBerlin barrierefrei zu gestalten. Dies umfasst zum Beispiel die Lesbarkeit durch einen Screenreader, die Anpassung der Kontraste sowie Informationen in Leichter Sprache und Gebärdensprache.
Engagement in Arbeitskreisen
visitBerlin engagiert sich unter anderem im Länderarbeitskreis „Tourismus für Alle“ – einer deutschlandweiten Zusammenarbeit der Bundesländer –, und ist Partner des „Tages des barrierefreien Tourismus“ im Rahmen der ITB. Auch nimmt visitBerlin regelmäßig an den Sitzungen der Arbeitsgruppe „Barrierefreiheit und Inklusion von Menschen mit Behinderung“ der Senatsverwaltung für Kultur und Europa teil.
„Reisen für Alle“ – Berlin macht mit

visitBerlin steuert das Projekt
Seit 2013 wird mit „Reisen für Alle“ bundesweit ein einheitliches Kennzeichnungs- und Qualifizierungssystem umgesetzt, das barrierefreie Angebote und Dienstleistungen aus allen Bundesländern ausweist. Auf diese Weise fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Hier macht Berlin von Anfang an mit – und auch immer mehr touristische Leistungsträger der Hauptstadt beteiligen sich an „Reisen für Alle“. visitBerlin ist Lizenznehmer des Projektes für Berlin und für die qualifizierte Projektsteuerung verantwortlich. Geschultes Personal besucht die Betriebe und prüft ihre barrierefreie Infrastruktur nach bundesweit einheitlichen Qualitätskriterien. So sind insgesamt 265 touristische Einrichtungen und Angebote in Berlin inzwischen nach „Reisen für Alle“ zertifiziert:
- vier Berlin Tourist Informationen
- 53 Beherbergungsbetriebe
- zwei Stadtführungen
- zehn Schiffe
- 68 öffentliche Toiletten
- 115 Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen
- 20 Gastronomien sowie weitere Betriebe und Organisationen
Gut vorbereitet: Vorfreude durch klare Informationen

Wer im Vorfeld Informationen über die Anreise und den Aufenthalt in Berlin recherchieren möchte, findet unter www.visitBerlin.de zahlreiche Ideen. Besondere touristische Tipps gibt es für Besucher:innen mit unterschiedlichen körperlichen Beeinträchtigungen. Rollstuhlgerechte Zimmer sind über das Online-Buchungsportal buchbar oder telefonisch unter 030 25002323.
„Hin und weg“ für Berlin: An- und Abreise, öffentlicher Verkehr
Als Europas größter und modernster Kreuzungsbahnhof ist der Berliner Hauptbahnhof mit Blindenleit- und Orientierungssystemen sowie sprechenden Aufzügen ausgestattet – ein Service, der in enger Kooperation mit dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin entstand. Auch die Fernbahnhöfe Südkreuz und Ostbahnhof sind barrierefrei. Fragen zur Anreise, zur Hilfe beim Ein- und Aussteigen und zu weiteren Details beantwortet die Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn telefonisch unter 030 65212888.
Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) bietet einen kostenfreien Mobility Service für Reisende mit Mobilitätseinschränkungen an. Es ist empfehlenswert, den Hilfebedarf frühzeitig anzumelden. Für Reisende mit Sehbehinderung existiert ein taktiles Leitsystem vor und nach den Terminals, damit sie sich am Flughafen orientieren können. Bei der Anreise mit dem Auto stehen an den Terminals mehrere reservierte Parkplätze zur Verfügung. Bei der Anreise mit der Bahn sind die Terminals 1 und 2 barrierefrei erreichbar. Eine rechtzeitige Anmeldung ist wichtig, um Hindernisse zu überwinden.

Europaweit einmalig ist der „Bus & Bahn Begleitservice“ des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Auf Wunsch können sich Fahrgäste der BVG und der S-Bahn kostenlos durch die Stadt begleiten lassen. Dieser Service gilt ohne Nachweis für Rollstuhlfahrer:innen und für Senior:innen, Reisende mit sperrigem Gepäck oder Kinderwagen und Menschen, die in anderer Form in ihrer Beweglichkeit oder in ihrem Sehvermögen eingeschränkt sind. Die hohe Nachfrage zeigt, wie relevant dieser Service für Berliner:innen wie für Tourist:innen ist. Fahrgäste sollten deshalb sieben Tage vor der geplanten Fahrt einen Termin vereinbaren. Sie erhalten dann am Tag vor der Reise eine Bestätigung. Die Fahrtbegleiter:innen suchen eine passende Verbindung aus, holen die Fahrgäste an der Haus- bzw. Hoteltür ab, helfen beim Fahrscheinkauf und beim Umsteigen, begleiten bis ans Ziel und auf Wunsch auch wieder zurück. Angeboten wird der Service für das gesamte Stadtgebiet Berlins inklusive Flughafen Schönefeld von Montag bis Freitag zwischen 7 und 22 Uhr. Interessierte können den Begleitservice per Telefon beim Servicebüro unter 030 34649940 bestellen.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin haben in den letzten Jahren einen Großteil der U- und S-Bahnhöfe mit Aufzügen, Rampen und Blindenleitsystemen ausgestattet. Alle neueren U-Bahnwagen der BVG (45 Prozent) sind ebenerdig zugänglich, ältere Wagen über eine Rampe erreichbar. Alle Straßenbahnen sind barrierefrei. Ältere Fahrzeuge mit Stufen kommen nur noch zum Einsatz, wenn besonders viel los ist. Seit 2009 sind zudem alle Busse und motorisierten Fähren der BVG barrierefrei. Der kostenfreie Flyer „Barrierefrei 2023“ gibt Menschen mit Rollatoren Hilfestellungen, wie diese in Bussen und Bahnen sicher unterwegs sind. Auch auf den Liniennetzen der BVG sind alle barrierefreien Bahnhöfe gekennzeichnet. Im Umsteigebahnhof Alexanderplatz sind alle Übergänge per Aufzug zu bewältigen. Zusätzlich weist ein Blindenleitsystem den Weg. Allgemeine Informationen für barrierefreie Linien und Fahrzeuge gibt es auf der Website der BVG.
Guided Berlin: Stadterkundungen

Individuelle Reiserouten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins stellt die Fahrplanauskunft der BVG zur Verfügung. Auch barrierefreie Fahrten können Menschen mit Behinderung planen, damit sie öffentliche Verkehrsmittel so einfach wie möglich nutzen. Telefonisch lassen sich entsprechende Routen auch im Call Center der BVG unter der Telefonnummer 030 19449 erfragen.
Für gehbehinderte Menschen haben viele Unternehmen Stadterkundungen im Bus, Kleinbus oder Mini-Van im Programm. Einen Überblick der wichtigsten Anbieter gibt es auf visitBerlin.de
Übernachten für alle: Angebote in jeder Preiskategorie

Die Berliner Hotellandschaft verändert sich für alle. Zahlreiche Häuser sind in den letzten Jahren neu entstanden und dank neuer Bauverordnungen mit sehr breiten Eingängen und ausreichend Wendeplatz für Rollstühle ausgestattet. Eine der wichtigsten Adressen für behindertengerecht ausgestattete Hotels ist das Scandic Hotel am Potsdamer Platz mit 60 barrierefreien Zimmern. Das erste deutsche Haus der schwedischen Hotelkette ist bereits seit 1993 bewusst ein Hotel für alle. Seine Weiterempfehlungsrate liegt bei 93 Prozent. Im Umgang mit Menschen mit Behinderung setzt das Hotel auf Lockerheit und integriert für Menschen mit Sehbehinderung Barrierefreiheit mit Witz und Charme – vom Stockhalter bis zum vibrierenden Wecker. Auf der Homepage finden Gäste unter der Rubrik „Besondere Bedürfnisse“ viele Informationen über die barrierefreien Angebote des Hauses.
Auch das Premier Inn Berlin Airport nimmt die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Übernachtungsgäste ernst. So hat die Hotelkette in den letzten Jahren massiv in die Barrierefreiheit ihrer Häuser investiert. Ziel ist es, dass die Räumlichkeiten für alle zugänglich sind. Der Zugang zum Hotel und zu allen Räumen ist stufenlos, und es gibt beidseitig Handläufe an allen Treppen sowie kontrastierende Stufenkanten. Auch Assistenzhunde sind willkommen.
Nach „Reisen für Alle“ zertifiziert ist zudem das VCH-Hotel Christophorus, das in der Parklandschaft des Evangelischen Johannesstiftes direkt am Spandauer Forst liegt. Fünf Zimmer sind für Rollstuhlfahrende geeignet und alle öffentlichen Bereiche ebenerdig gelegen. Im Inklusionsbetrieb arbeiten Mitarbeitende mit und ohne Beeinträchtigung.
Barrierefreie Zimmer zu einem günstigen Preis bietet martas Gästehaus Hauptbahnhof Berlin. Neben einer behindertengerechten Ausstattung verfügt es über ein blindengerechtes Leitsystem in Brailleschrift. Auf sehbehinderte Gäste spezialisiert hat sich zudem das NH Berlin Alexanderplatz. Für Gruppen von Rollstuhlfahrer:innen eignet sich wiederum das Novotel Berlin Am Tiergarten mit seinen 27 barrierefreien Zimmern. Zwei barrierefreie Zimmer hat das Fünfsternehotel Waldorf Astoria. Es gibt einen Parkservice, und alle Räume sind stufenlos oder über Aufzüge erreichbar.
„Was machen wir heute?“: Kultur- und Freizeitangebote

Die gläserne Kuppel des Reichstages, Sitz des Deutschen Bundestages, gehört zu den Publikumsmagneten der Stadt. Sie kann mit dem Rollstuhl besichtigt werden, steigt jedoch spiralförmig an. Daher ist es empfehlenswert, mit einer Begleitperson zu kommen. Ein Extraeingang ermöglicht Menschen mit Behinderung den sofortigen Einlass und erspart lange Wartezeiten.
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas neben dem Brandenburger Tor ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands. Durch das von Peter Eisenman entworfene Stelenfeld führen 13 gekennzeichnete Passagen, die auch mit dem Rollstuhl problemlos befahrbar sind und höchstens acht Prozent Gefälle aufweisen. Der unterirdische Ort der Information, der an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnert, ist per Aufzug zugänglich.
An den Mauerbau und die Geschichte der geteilten Stadt erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer und das Dokumentationszentrum an der Bernauer Straße, wo einst die deutsch-deutsche Grenze verlief. Mauerreste am Originalstandort sind hier ebenfalls zu sehen. Das Besucherzentrum verfügt über einen Aufzug und behindertengerechte Toiletten. Rollstühle und mobile Sitzgelegenheiten können Besucher:innen kostenlos ausleihen. Auch Assistenzhunde sind erlaubt. Öffentliche Behindertenparkplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Berlin hat mehr Brücken als Venedig – und zahlreiche Ausflugsschiffe, die von Spree, Oberhavel oder Landwehrkanal einen neuen Blick auf die Metropole eröffnen. In der Flotte der Stern und Kreisschifffahrt sind unter anderem die MS „Havel Queen“ oder MS „Moby Dick“ speziell für Rollstuhlfahrer:innen ausgestattet. Weitere Strecken der behindertenfreundlichen und behindertengerechten Schiffe sowie Informationen zur Erreichbarkeit der Anlegestellen sind auf der Homepage unter dem Stichwort „Barrierefrei“ abrufbar.

Mit dem Rollstuhl befahrbar sind auch zahlreiche Museen, Schausammlungen und Freizeiteinrichtungen. Zum Beispiel das Bode-Museum und das Neue Museum mit der Büste der Nofretete auf der Museumsinsel. Rollstuhlgerecht gestaltet sind zudem das Deutsche Historische Museum, das mehr als 2.000 Jahre deutsche Geschichte zeigt, sowie Daniel Libeskinds Neubau des Jüdischen Museums Berlin.
Berlins Kultur erkunden können natürlich auch gehörlose Menschen oder Menschen mit Hörbehinderung. So bieten Museen wie der Gropius Bau, das Museum für Film und Fernsehen oder das Deutsche Historische Museum Führungen in Gebärdensprache oder Hörhilfen an. Auch das Haus der Wannsee-Konferenz möchte, dass alle Menschen seine Dauerausstellung besuchen können. Möglich macht das das „Design für Alle“, darunter taktile Ausstellungsstücke oder Inhalte in Leichter Sprache. Inklusive Angebote macht zudem die Akademie der Künste. Bestimmte Veranstaltungen des Friedrichstadt-Palastes sind für Menschen mit Sehbehinderung erlebbar, und zwar mit Audiodeskription via Kopfhörer.
Eine besondere Attraktion ist das Museum für Naturkunde, das neben zahlreichen Urtieren das weltweit größte Saurierskelett präsentiert. Besucher:innen mit Mobilitätseinschränkungen gelangen über einen Treppenlift am Seiteneingang in die Ausstellungshalle. Fans lebender Tiere, die nicht (mehr) gut zu Fuß sind, können im Tierpark Berlin sowie im Berliner Zoo gratis einen Rollstuhl ausleihen. Alle Besucher-WCs sind zudem barrierefrei.
Auch das Schloss Schönhausen hat behindertengerechte Angebote. Es hat schwellenlose Türen, rollstuhlgerechte Ausstellungsvitrinen und einen Fahrstuhl. Blinde und sehbehinderte Menschen können mit speziellen Audio-Guides und Tastobjekten wie einem Schlossmodel oder dem Kleid einer Adligen das Leben bei Hofe erspüren. Für Hörgeschädigte stehen Video-Guides in Gebärdensprache sowie Orientierungsbilder für die Schlossräume bereit. Audio-Guides mit Texten in vereinfachter Sprache vermitteln Menschen mit Lernschwierigkeiten anschaulich die Schlossgeschichte.
Noch mehr zertifizierte Kultur- und Freizeitangebote gibt es auf der Website von Reisen für alle.
Shoppen bis zum späten Abend

Typisch Berlin: Viele Geschäfte haben von Montag bis Sonnabend bis in die späten Abendstunden geöffnet, darunter große Shoppingcenter und Kaufhäuser wie The Playce am Potsdamer Platz oder das KaDeWe. Sie sind mit Aufzügen und großzügigen breiten Gängen ausgestattet, sodass einem barrierefreien Shoppen nichts im Wege steht.
Von deftig bis szenig: Barrierefreie Gastronomie

Seit 2006 müssen alle neu eröffneten Gaststätten in Berlin einen barrierefreien Zugang und entsprechend eingerichtete Sanitäranlagen vorweisen. Doch auch die länger bestehenden Restaurants sind häufig rollstuhlgerecht: Am Hackeschen Markt sind sowohl im Oxymoron als auch im Restaurant Hackescher Hof Besucher:innen mit Rollstuhl herzlich willkommen. Sie finden dort breite Ein- und Ausgänge sowie behindertengerechte WCs.
Nach Reisen für Alle zertifiziert sind einige Restaurants in der Hauptstadt. Etwa das Hugo & Notte: Durchgänge und Türen des Restaurants im Französischen Dom sind 80 Zentimeter breit, auch Assistenzhunde sind willkommen. Das Café Marisa am Mierendorffplatz in Charlottenburg punktet mit unterfahrbaren Tischen. Auch das Reinhard Bär Restaurant und Café am Hamburger Bahnhof oder das bamboo bay im Erdgeschoss des EUREF-Campus 12 sind stufenlos zugänglich.
Service für Rollstuhlfahrer:innen: Von der Verleihfirma bis zur Begleitung

Verleihfirmen für Rollstühle und Hilfsmittel sorgen im Notfall für schnellen Ersatz. Hilfe bietet zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz.
Die Standorte barrierefreier öffentlicher Toiletten findet man auf der Internetseite der Herstellerfirma Wall.
Und wer nicht allein reisen kann, dem stehen mehr als 20 Berliner Mobilitätshilfedienste zur Seite. Sie bieten älteren und behinderten Menschen Begleit- und Schiebehilfe an, etwa die Abholung vom Flughafen, Busbahnhof oder Bahnhof, den Transfer oder Ausflugs- und Einkaufsfahrten.
Berlin mit anderen Augen: Spezielle Angebote für Sehbehinderte und Blinde

Mitarbeitende des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins (ABSV) begleiten blinde oder sehbehinderte Berlin-Besucher:innen auf Wunsch durch Ausstellungen und zu vielen interessanten Orten und Veranstaltungen. Die Häuser der Staatlichen Museen zu Berlin wie die Gemäldegalerie bieten von Zeit zu Zeit spezielle Rundgänge an, die den Tastsinn in den Mittelpunkt der musealen Erkundungstour rücken. Die Termine gibt es im Veranstaltungskalender auf der Website der betreffenden Museen.
Mehrere Berliner Bühnen nehmen am Projekt „Theater hören Berlin“ vom Verein FÖRDERBAND teil. Menschen mit Sehbehinderungen bekommen so die Möglichkeit, die Bühnen der Hauptstadt zu erleben. Im Berliner Ensemble, Deutschen Theater, Theater an der Parkaue oder in der Deutschen Oper finden regelmäßig Aufführungen mit Audiodeskription statt. Dieser Live-Kommentar begleitet das Gesamtgeschehen auf der Bühne.
Der Bundestag bietet sehbehinderten Menschen nach vorheriger Anmeldung einen besonderen Service: Sie dürfen bei Führungen auch den Plenarsaal betreten, der normalerweise verschlossen bleibt. Ein Tastmodell des Reichstagsgebäudes oder ein Umgebungsrelief vom Parlaments- und Regierungsviertel machen diesen wichtigen Ort der Demokratie erfahrbar. Besucher:innen mit Hörbehinderung können unter anderem Plenardebatten durch Induktionsschleifen folgen.
Das Schloss Charlottenburg ist der größte Bau der preußischen Herrscher in Berlin. Die königlichen Räume sind im Rahmen von Führungen zugänglich. Für Blinde und Sehbehinderte existiert die gesamte Schlossanlage im Kleinformat, sodass sie bei den Sonderführungen ein maßstabgerechtes Modell sowie verschiedene weitere Details „begreifen“ können.
Im Duft- und Tastgarten können Besucher:innen die Vielfalt der Pflanzenwelt im Botanischen Garten sinnlich-fühlend erfahren. Wer einen Rollstuhl ausleihen möchte, kann das kostenlos an den Gartenkassen. Am besten vorher reservieren unter 030/838-50272 (Gartenkasse Unter den Eichen) und 030/838-50108 (Gartenkasse Königin-Luise-Straße 6–8).
Mitten dabei im Olympiastadion – auch das ist möglich für blinde und sehbehinderte Berlin-Reisende. Als besonderer Service wird bei Heimspielen des Bundesligisten Hertha BSC ein Audiokommentar zum Spielgeschehen eingerichtet, der auf 40 Sitzplätzen über Kopfhörer verfolgt werden kann. Das inklusive Spieltagsradio überträgt auch für zu Hause und beginnt meistens circa 15 Minuten vor einem Spiel von Hertha BSC.
In der Rosenthaler Straße 39 befindet sich die ehemalige Blindenwerkstatt Otto Weidt, die heute ein kleines Museum ist. Otto Weidt hatte selbst eine Sehbehinderung und rettete während des Zweiten Weltkrieges zahlreichen Berliner Jüdinnen und Juden mit seiner Besen- und Bürstenbinderei das Leben. Die Erklärungen zu den Exponaten und persönlichen Dokumenten wie Briefen, Gedichten und Fotografien sind in Blindenschrift lesbar.
Noch mehr Infos und Angebote für blinde oder sehbehinderte Menschen gibt es hier.
Das ökonomische Potenzial & Komfort
Vier von zehn mobilitäts- oder aktivitätseingeschränkten Menschen (42,9 Prozent) verbringen ihren Urlaub in Deutschland. Ähnlich viele Menschen (37 Prozent) haben aufgrund fehlender Barrierefreiheit bereits einmal auf eine Reise verzichtet. Haben sie aber ein barrierefreies Reiseziel gefunden, sind sie treuer als viele andere Gäste. Und sie sind gut vernetzt. Das heißt: Gutes wird weiterempfohlen.
Studien im Auftrag der Europäischen Union zeigten, dass bis zum Jahr 2020 die Zahl der Reisen von älteren Gästen (65+) und behinderten Gästen innerhalb der EU auf 862 Millionen Tages- oder Mehrtagesreisen pro Jahr gestiegen ist. Hinzu kamen 21 Millionen Reisen pro Jahr durch Gäste aus den wichtigsten Nicht-EU-Auslandsmärkten. Gelänge es, „die barrierefreie Zugänglichkeit tourismusrelevanter Einrichtungen deutlich zu erhöhen“, heißt es in der Studie, „ließen sich 1.231 Millionen Reisen jährlich realisieren.“ (Quelle: Quelle: Economic impact and travel patterns of accessible tourism in Europe, GfK Belgien, University of Surrey, NeumannConsult, ProAsolutions (2014); Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission).
Für Berlin ist die Ausrichtung deshalb nicht nur eine Frage von umfassender Teilhabe, sondern auch wirtschaftlich zukunftsweisend. Denn mit Blick auf den demografischen Wandel profitieren auch Senior:innen, vorübergehend in ihrer Mobilität oder Aktivität eingeschränkte Menschen sowie Familien mit Kindern von barrierefreien Angeboten und Dienstleistungen. Schon jetzt informieren sich im Vorfeld einer Reise mehr Familien mit Kindern (67 Prozent) über barrierefreie Angebote als mobilitäts- und aktivitätseingeschränkte Gäste (57 Prozent). Auch jeder zweite Gast über 65 Jahre interessieren sich hierfür. Barrierefreies Denken bedeutet deswegen eine Komfortsteigerung für alle – für die Metropole, ihre Bewohner:innen und alle Zielgruppen, die Deutschlands Städteziel Nummer eins und sein Umland besuchen und erleben möchten.
Alle Infos zum Thema Barrierefreiheit und viele nützliche Tipps für einen selbstbestimmten Berlin-Besuch gibt es auf www.visitberlin.de/de/barrierefrei-berlin.