Nachwuchsblog: Hinter den Kulissen, Junge Talente auf der 75. Berlinale




Dieser Artikel ist Teil des visitBerliner Nachwuchsblogs und von unseren Auszubildenden und Dual-Studierenden verfasst.
von Charlotte
Die Berlinale 2025 ist nun vorbei und während auf dem roten Teppich immer die großen Namen glänzen, gibt es auch eine Reihe von jungen Filmemacher:innen, die mit ihren frischen, kreativen Ideen auf sich aufmerksam machen. In diesem Jahr ist die Berlinale wieder ein Ort, an dem Nachwuchstalente ihre Werke präsentieren können aber was steckt eigentlich hinter den Geschichten und Visionen dieser aufstrebenden Filmemacher:innen?
Als „neue Generation“ bei visitBerlin wissen wir, wie wichtig es ist, jungen kreativen Köpfen eine Plattform zu bieten. Ich habe mich daher auf die Suche gemacht und möchte euch ein paar dieser besonderen Talente vorstellen, die das Festival aufmischen.
Alissa Jung: Einfühlsame Vater-Tochter-Geschichte
Eine Regisseurin, die mir besonders ins Auge gefallen ist, ist Alissa Jung. Sie feiert mit ihrem Langfilmdebüt „Paternal Leave“ ihre Premiere in der Sektion „Generation 14plus“. Die Geschichte handelt von der 15-jährigen Leo, die sich aufmacht, ihren leiblichen Vater in Norditalien zu besuchen. Es geht um eine sehr menschliche Geschichte, die sich mit der komplexen Beziehung zwischen Vater und Tochter auseinandersetzt – und dass auf eine sehr einfühlsame und tiefgründige Weise. Jung gelingt es, die inneren Konflikte ihrer Figuren auf so eine Art und Weise darzustellen, dass man beim Zuschauen das Gefühl hat, selbst Teil dieser Reise zu sein. Ihre Arbeit zeigt uns, wie Film mehr als nur Unterhaltung sein kann – er wird zu einem Fenster in die Seele der Charaktere.
Julia Lemke und Anna Koch: Einblicke in das Leben eines Zirkuskindes
Ein weiteres spannendes Projekt kommt von Julia Lemke und Anna Koch. Die beiden Regisseurinnen werfen in ihrem Dokumentarfilm „Zirkuskind“ einen besonderen Blick auf das Leben eines Zirkuskindes. Die Hauptfigur des Films ist der kleine Santino, der mit seiner Familie und den Tieren von Stadt zu Stadt zieht. Für ihn ist der Zirkus mehr als nur ein Job – es ist die einzige Welt, die er kennt. Es ist ein Film, der uns daran erinnert, wie wenig wir oft über die Menschen wissen, die auf den ersten Blick so anders erscheinen.
Urška Djukić: Coming-of-Age im Chor
Die slowenische Regisseurin Urška Djukić stellt mit "Little Trouble Girls" ihren ersten Spielfilm in der neu geschaffenen Sektion "Perspectives" vor. Der Film folgt der 16-jährigen Lucia, die sich in ihrer katholischen Schule in die charismatische Ana-Maria verliebt. Während eines spirituellen Retreats im ländlichen Kloster wird Lucias aufkeimende Sexualität auf die Probe gestellt, was zu Spannungen innerhalb des Chores führt. Der Film beleuchtet die Konflikte, die entstehen, wenn persönliche Gefühle mit religiösen und gesellschaftlichen Erwartungen kollidieren. Was ich an diesem Film besonders spannend finde, ist die Art und Weise, wie er mit den Themen Sexualität, Identität und sozialer Zugehörigkeit umgeht – ohne dabei in stereotype Erzählweisen zu verfallen.
Lau Charles: Familiendynamik im Fokus
Ein weiterer interessanter Beitrag kommt von der mexikanischen Filmemacherin Lau Charles in der Sektion "Berlinale Shorts". Ihr Kurzfilm „Casa chica“ erzählt die Geschichte der fünfjährigen Valentina, die zusammen mit ihrem älteren Bruder Quique die andere Familie ihres Vaters kennenlernt. Ihre Leben verändern sich, als sie merken, dass ihre Halbschwester das gleiche Alter wie Valentina hat. Besonders faszinierend an diesem Film ist, wie er die kleinen, aber tiefgründigen Veränderungen im Leben von Kindern und Jugendlichen einfängt.
Förderung des Nachwuchses: "Perspectives" und "Encourage Film Talents"
Die Berlinale ist nicht nur ein Ort für die großen Namen der Filmindustrie, sondern auch eine Bühne für aufstrebende Talente. Mit der neu eingeführten Sektion "Perspectives" wird ein internationaler Wettbewerb für Spielfilmdebüts geschaffen, der bis zu 14 Filme aus aller Welt umfasst und den Preis für das Beste Spielfilmdebüt vergibt. Zudem findet vom 17. bis 19. Februar 2025 die Veranstaltung "Encourage Film Talents" statt, die Studierende und Absolvent:innen der deutschsprachigen Film- und Kunsthochschulen mit Vertreter:innen der Filmbranche vernetzt.
Ein Festival wie die Berlinale ist also nicht nur eine Möglichkeit für Nachwuchstalente, sich zu zeigen, sondern auch eine Chance, den Dialog mit etablierten Filmschaffenden und einem internationalen Publikum zu suchen. Wir sind gespannt zu sehen, wie sich diese Talente in den kommenden Jahren entwickeln werden.
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