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Auf dem Weg in die Zukunft: So begegnet die Berliner Tourismus- und Event-Branche den Megatrends unserer Zeit

Berlin, Januar 2023 Wie werden wir in Zukunft leben? Wie werden wir arbeiten, wie wohnen? Und natürlich auch: Wie werden wir reisen? Sogenannte Megatrends formen die Welt von morgen. „Lawinen in Zeitlupe“ nannte Zukunftsforscherin Anja Kirig diese langfristigen, grundlegenden Entwicklungen in ihrem Vortrag für den TourismusHub, der E-Learning-Plattform von visitBerlin. Dabei stellte sie einige Megatrends vor, die für den Tourismus besonders bedeutend sind – und damit auch für Berlin als eine der Top-Destinationen weltweit.

Was unterscheidet Megatrends von Hypes und Moden?

Im Gegensatz zu eher kurzfristigen Entwicklungen wirken Megatrends über weitaus längere Zeiträume. Das renommierte Zukunftsinstitut, mit dem Anja Kirig eng zusammenarbeitet, bemisst sie auf mindestens mehrere Jahrzehnte. Megatrends sind globale Phänomene und beeinflussen sämtliche Lebensbereiche, also die Gesellschaft und ihr Wertesystem, die Politik, Medien und das Konsumverhalten. Darüber hinaus sind ihre hohe Komplexität und die Verknüpfung untereinander charakteristisch, durch die sie sich in ihrer Wirkung sogar noch verstärken können.

Die zwölf Megatrends unserer Zeit

Das Zukunftsinstitut hat zwölf Megatrends ausgemacht, die prägen, wie unser Leben und unsere Welt sich entwickeln. Zu ihnen gehören soziodemografische Phänomene wie der sogenannte Gender Shift, also die stetig nachlassende Bedeutung traditioneller Geschlechterrollen. Bereits weit stärker im Bewusstsein der Menschen ist zum Beispiel der Begriff der Globalisierung. Mit diesem Megatrend verbunden sind die immer engere, weltumspannende Verflechtung und der immer intensivere Austausch auf persönlicher wie auch auf wirtschaftlicher, politischer und kultureller Ebene.

Megatrends und Tourismus

Orania.Berlin Außenbereich ©  visitBerlin, Foto: Mo Wüstenhagen

Individualismus
 

Welche Megatrends sind für den Tourismus besonders wichtig? Hier nennt Anja Kirig zum einen die Individualisierung. Sie steht dafür, dass die Menschen sich wie nie zuvor in allen Bereichen ihres Lebens frei entfalten. Übersteigert kann das aber dazu führen, dass sie sich voneinander entfremden, was wiederum eine neue Sehnsucht nach Verbindung hervorruft. Auf das Reiseverhalten übertragen, ergibt sich daraus die Idee des Resonanz-Tourismus. Reisende möchten mit ihren Zielen in Beziehung treten und sie auf sich wirken lassen. Prägende Erfahrungen interessieren mehr als kurzfristige Erlebnisse. Menschen zu begegnen und die Geschichten hinter den Attraktionen zu kennen, wird wichtiger, als nur diese zu besichtigen und Selfies zu sammeln.

Neo-Ökologie
 

Dieser Begriff steht für eine grundlegend veränderte Auffassung des globalen Ökosystems. Der Mensch wird nicht mehr als konsumierende, teils gar gefährdende Instanz wahrgenommen, sondern wird selbst zu einem Teil des Ökosystems Erde. Neue Technologien sind nicht länger Bedrohungen für die Umwelt, sondern werden als Lösungen für deren Probleme entworfen. Und ökologische Verantwortung wird nicht mehr mit Verzicht in Verbindung gebracht, sondern mit umweltfreundlichen Alternativen. In den Tourismus übersetzt bedeutet Neo-Ökologie, dass Reisende wie Gastgeber:innen sich ihrer Verantwortung bewusst sind und umweltfreundliche Varianten anstelle von Einschränkungen und Verboten im Vordergrund stehen.

A Group Of Friends Exploring Berlin ©  Getty Images, Foto: Hinterhaus Productions

Konnektivität
 

Konnektivität beschreibt die Vernetzung, teils Verschmelzung von physischer und virtueller Welt. Die Digitalisierung eröffnet hierfür vollkommen neue Möglichkeiten. Für Reisende bedeutet das beispielsweise, dass sie mit Valuetainment-Formaten und virtueller Realität ihre Reiseziele in neuen Dimensionen erleben und mit Menschen wie Objekten in Resonanz und Austausch treten können. Umgekehrt können Gastgeber:innen auch mehr über ihre Gäste erfahren und einfacher denn je deren Vorlieben kennenlernen. Und Konnektivität ermöglicht auch Bürger:innen neue Wege, sich an Entscheidungen rund um ihre Stadt und deren Entwicklung als Reiseziel zu beteiligen.

So greifen die Tourismus-Branche und visitBerlin die Megatrends auf

Die Visitor Economy und die Event-Branche Berlins sowie visitBerlin sind bei den großen Themen unserer Zeit nicht nur Beobachter. Zahlreiche Angebote und Projekte zahlen auf Megatrends ein und übersetzen sie in neue Maßnahmen und Möglichkeiten.

Jocelyn B. Smith performt zur Eröffnung des Bestival ©  visitBerlin, Foto: Mike Auerbach

Individualisierung für Tourismus und Geschäftsreisen
 

Dank zweier Apps können Besucher:innen in die Stadt eintauchen und ihre ganz individuellen Erlebnisrouten durch die Stadt entwerfen. „About Berlin“ bietet mit einer Fülle an multimedialen Elementen Geschichten und Hintergründe zu über 250 historischen Orten. Die Kiez-App „Going Local Berlin“ führt Reisende in die Gegenden abseits der bekannten touristischen Hotspots und zeigt stattdessen die Stadt mit den Augen der Berliner:innen. Auch der Megatrend Konnektivität wird hier mit digitalen Mitteln aufgegriffen.

Individualisierung öffnet für Veranstalter:innen und die MICE-Branche neue Perspektiven. So trafen sich im Sommer 2022 zum zweiten Mal mehr als 900 Teilnehmende zum Bestival. Bei diesem Branchentreffen wurde Berlins Potenzial als Ort für Events, Kongresse und Konferenzen nicht nur theoretisch behandelt, sondern die Möglichkeiten an verschiedenen Orten direkt erlebbar gemacht. So kamen die Expert:innen unmittelbar in Berührung mit Berlin – und damit in die Resonanz, die sich Reisende wie Veranstaltende in Zeiten der Individualisierung mehr denn je wünschen.

Neo-Ökologie beginnt schon bei der Anreise
 

Schon vor der Ankunft in Berlin auf ökologische Belange achten – dafür gibt es speziell abgestimmte Produkte wie Städtereisen via BahnHit. Die Anreise erfolgt immer umweltfreundlich mit dem Zug. Und mit der Berlin Welcome Card erhalten Reisende freie Fahrt im ÖPNV im gesamten Stadtgebiet sowie Vergünstigungen bei über 180 Attraktionen.

Berlin verfügt über eine stetig wachsende Zahl an Hotels und Restaurants, die ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. An vielen Orten in der Stadt steht die Umwelt an erster Stelle – vom Gebrauchtwarenkaufhaus NochMall bis zu verschiedenen Urban-Gardening-Projekten und neuen landwirtschaftlichen Konzepten.

Gleich mit mehreren Initiativen motiviert visitBerlin die Tourismus- und Eventbranche zu konsequent ökologisch ausgerichtetem Handeln. Mit Sustainable Meetings Berlin gibt es umfassende Orientierung und Unterstützung bei der Veranstaltungsplanung. Coachings und Workshops, klar definierte Kriterien und ein Netzwerk von speziell zertifizierten Partner:innen helfen beim Organisieren von Events mit Fokus auf Nachhaltigkeit. 2023 kommt mit Sustainable Tourism auch die touristische Komponente hinzu. Und mit dem Sustainable Berlin Commitment verpflichten sich Akteur:innen aus MICE- und Tourismusindustrie in Zukunft verbindlich zu elf Leitsätzen rund um konsequent nachhaltiges Handeln.

Programming code abstract technology background of software deve ©  Getty Images, Foto: monsitj

Konnektivität verbindet Reisende, Veranstaltende und Bürger:innen

Mit den touristischen Daten-Hub sammelt visitBerlin erstmals eine Vielzahl an tourismusrelevanten Daten an einem zentralen Punkt. Informationen aus Hotellerie und Gastronomie, aus Museen und Sehenswürdigkeiten werden hier gebündelt und ermöglichen präzise Analysen der Nutzung der einzelnen Angebote. Gleichzeitig können Gäste der Stadt mit aktuellen und besonders zielgruppengerechten Informationen versorgt werden.

Die Messung von Besucherströmen anhand von Mobilfunkdaten eröffnet neue Möglichkeiten, das Verhalten und die Interessen von Berlins Besucher:innen kennenzulernen. Die anonymisierten Daten erlauben zum Beispiel Erkenntnisse darüber, welche Attraktionen in der Stadt von Menschen welcher Nationalität besonders häufig besucht werden. So lassen sich Angebote und Empfehlungen individueller und zielgenauer denn je gestalten.

Auch für die MICE-Branche bringt der Megatrend Konnektivität neue Impulse. Bei einem Berlin Meeting Campus lassen sich beispielsweise mehrere Veranstaltungsorte kombiniert als ein Veranstaltungsort buchen. So können Teilnehmende ganz unterschiedliche Schauplätze im Rahmen eines einzigen Events erleben und mehr Eindrücke von der Stadt sammeln, als wenn sie nur stationär an einem Ort tagen oder feiern würden.

Konnektivität bedeutet aber nicht nur digitale Vernetzung. Sie steht auch für die Verbindung der Bürger:innen mit ihrer Stadt. Beispielsweise können im neuen „Bürger:innenbeirat Berlin-Tourismus“ seit November letzten Jahres 24 Berliner:innen ihre Interessen einbringen und so direkt Einfluss auf die Tourismusplanung ihrer Stadt nehmen.

Ein weiterer Megatrend: New Work

Coworking Spaces St. Oberholz ©  St. Oberholz, Foto: Roman Wache

Nicht erst seit der Coronapandemie, aber sicher beschleunigt durch diese, setzen sich neue Formen des Arbeitens durch. Kein Wunder also, dass das Zukunftsinstitut New Work als weiteren Megatrend ausgemacht hat. Einen wichtigen Faktor stellt hier die Mobilität dar. Immer mehr Tätigkeiten lassen sich remote ausführen, also theoretisch von jedem Ort der Welt, an dem es eine Internetverbindung gibt. Dies ermöglicht Modelle wie das der Workation. Man muss also keinen Urlaub mehr einreichen, um Urlaubsziele zu bereisen. Man nimmt einfach den Laptop mit, arbeitet und lernt nebenbei neue Länder und Menschen kennen. Die Stadt bietet eine Fülle unterschiedlicher Coworking Spaces, teils kombiniert mit gastronomischen Angeboten oder sogar Kinderbetreuung. Hotels wie The Social Hub richten sich gezielt an die „Digital Nomads“, die nicht nur unterwegs zu Hause, sondern auch unterwegs bei der Arbeit sind.

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